360 Grad hart am Wind
Forggensee kreuz und quer


05.09. - 17.09.2004
46 sm
"forget me not"
(Shark 24 // 1712)

 

 

 

 

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Strassenrand

Unsere Shark 24 "Dolly" fanden wir durch Zufall am Straßenrand in Fussach (Österreich). Wir hatten gerade eine andere Shark besichtigt, die jedoch in einem völlig desolatem Zustand war. Einen Kilometer weiter, direkt an der Hauptverkehrsstrasse, standen ein paar Gebrauchtboote. Da wir Zeit hatten, hielten wir an und schlenderten über den Platz. In der hintersten Ecke entdeckten wir unsere Shark. Das Gelcoat war bis auf eine Stelle in Ordnung, Deck und Cockpit ohne Spannungsrisse und sie besaß eine Cockpitschaltung. Der gute Gesamteindruck brachte uns in Kontakt mit den Verkäufern, einem älteren Ehepaar, die aus gesundheitlichen Gründen nach 22 Jahren ihr Boot abgeben wollten - mit Pött und Pan, vielen Ersatzteilen und einem brauchbaren Strassentrailer.

Nach kurzer Verhandlung einigten wir uns auf einen fairen Preis - vorbehaltlich einer Probefahrt und Inspektion aller Segel und nach etwa einer Woche stand die Shark vor unserer Tür.
In den darauf folgenden Monaten gingen wir an die Umrüstung. Alle alten beweglichen Hölzer (Polsterunterlagen, Abdeckplatten) und Schaumstoffe flogen raus und das Boot wurde gründlich von innen ausgewaschen und mit Sagrotan (gegen den alten Polsterschimmel) mehrfach ausgeschrubbt.

Sehr viel Spaß machte es, die Steckschotten und die Pinne vom alten verwitterten Lack zu befreien und die Holzstruktur wieder hervorzuholen. Eingeölt erstrahlten sie nun wieder in neuem Glanz.

Der komplette Austausch der Bordelektrik erwies sich als recht arbeitsintensiv. Dieses war uns aber wichtig, denn wir wollten nicht eines Tages auf einem längeren Törn in einem undurchsichtigen Gewusel von Kabeln auf Fehlersuche gehen müssen. Als wir erstmals die Elektrik inspizierten, fanden wir alle Massekabel mittels einer Schlossschraube zusammen gehalten und teilweise unsesbare Kabelbeschriftungen . Wir fertigten erst einmal einen neuen Schaltplan, berechneten die Verbrauchsdaten und verlegten danach die entsprechenden Kabel mit dem richtigen Querschnitt.
Auch die alte Logge und das Echolot bauten wir aus. Unsere "forget me not" bekam ein neues Tridata und einen Einbaukompass. Zudem rüsteten wir unsere Shark auch mit neuen Seelichtern aus, da wir vor hatten, auch auf der Ostsee und im Mittelmeer auf Fahrt zu gehen. Somit verfügen wir jetzt über eine doppelte Lichterführung mit Tragweiten von einer und zwei Seemeilen.

Da es bei Regen stets eine Wasserlache im Bugbereich gab, hatten wir die Befürchtung, den gesamten Deckel anheben und neu mit Sika abdichten zu müssen. Bei der ersten Schraube allerdings stellten wir fest, dass diese sich mühelos drehen ließ. Da auch alle anderen Schrauben am Deckel lose hatten, beschlossen wir erst einmal, zu zweit diese alle komplett anzuziehen. Der Gartenschlauchtest zeigte es dann: das Boot war trotz Überflutung an Deck dicht. Einzig das vordere Luk musste noch ein wenig mit Sika nachbearbeitet werden.

Frisch poliert und mit neuem Antifouling sah die Shark jetzt richtig schmuck aus. Mit vier neuen, langen Festmachern, neuen Fendern, neuen Polstern und Gardienen ging es dann an die Namensgebung: "Forget me not"

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Kranen


Am Takelmast


Osterreiner SC


Forggensee


Am Liegeplatz


Morgenstimmung


Am Liegeplatz

Osterreinen

Der spannende Augenblick war da: erstmals ließen wir im Osterreiner Segelclub am Forggensee unser Boot ins Wasser. Da dieses unser erstes Boot ist, baten wir den Hafenmeister und seinem Gehilfen, uns beim Maststellen zu helfen. Trotz dass wir einiges über Maststellen, Ober- und Unterwanten gelesen hatten, verwirbelten doch alle Arbeitsschritte im Kopf und wir waren froh, jemanden mit Erfahrung an unserer Seite zu haben. Der Hafenmeister war sehr geduldig und hilfsbereit, sodass wir die einzelnen Schritte nach seinen Anweisungen durchführten.

Endlich lag das Boot im Wasser und der Mast stand gerade - nur die Salinge hingen kreuzschief herab. Zum Glück gibt es im Osterreiner Segelclub einen Takelmast. Nachdem die Salinge gerichtet waren, verholten wir uns an unseren Liegeplatz für die kommenden zwei Wochen. Am ersten Abend kontrollierten wir stündlich die Bilge, um zu sehen, ob Lot und Logge wasserdicht eingebaut wurden.

In den nächsten 10 Tagen pendelte der Wind zwischen Flaute und 5 bft. bei herrlichem Sonnenschein. Die segelbaren Nachmittage vergingen schnell -zu schnell. Aber es gab genügend Zeit, uns mit dem Boot, dem Motor und der Segelführung vertraut zu machen, die Logge zu eichen und verschiedene Manöver zu fahren.

Das Revier
Der Forggensee am Fuße der Alpen unterhalb von Schloss Neuschwanstein gelegen, hat sein eigenes Segelwetter. Als Segelrevier bietet er bei sonnigem Wetter ausreichend Thermik um auch bei einer Hochdrucklage genügend Wind zum Segeln zu haben. Morgens ist es meist schwachwindig. Erst wenn die Sonne hoch steht, setzt Landwind ein. Bei viel Wind gibt es häufig auch kräftige Böen und nicht selten passiert es, dass man hart am Wind, der Böe nachfahrend, einen 360 Grad Kreis dreht.
Mit 12 km Länge und 3 km Breite bietet der Forggensee (in den Fünfzigerjahren als Stausee entstanden - jetzt viertgrößter See in Bayern) genügend Wasserfläche, dass an einem Tag keine Langeweile aufkommt. Das klare kalte Schmelzwasser wird im Frühjahr aufgestaut und der See erreicht etwa ab Mitte Juni seine volle Stauhöhe - und niemand sieht es dem See mehr an, dass er kein Natursee ist. Schloss Neuschwanstein bei Sonnenaufgang vor der Bergkulisse über Seenebel und spiegelglatter Wasserfläche schweben zu sehen, ist das i-Tüpfelchen dieses Reviers.

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Flaute


Nachtvorbereitung


Lichter prüfen